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Gründung und
Geschichte bis 2005 Der
Männergesangverein 1861/1908 Sängerlust Schornsheim im Zeitraffer: Am 17. Juli
1861 versammelten
sich etwa dreißig Schornsheimer Männer, um den „Männergesangverein 1861
Schornsheim“ zu gründen. Die gemeinsame Pflege
des deutschen Liedes und Gesanges nach dem Motto des Deutschen Sängergrußes:
„Heil deutschem Wort und Sang“ und damit verbunden ein Streben nach deutscher
Größe und Einheit, darf auch im politischen Sinn als Motivation der damaligen
Schornsheimer zum Gründungsakt des MGV angenommen werden. Liegt doch die
Vereinsgründung nur ein gutes Jahrzehnt nach dem 1848 gescheiterten Versuch
einer deutschen Einigung durch die Abgeordneten der Nationalversammlung in
der Frankfurter Paulskirche einerseits und ziemlich exakt ein Jahrzehnt vor
der Gründung des Deutschen Reiches durch die Proklamation im Spiegelsaal von
Versailles nach dem Sieg über den französischen „Erzfeind“ andererseits. Eine konservative,
patriotische Gesinnung darf unseren Sängervorfahren auch aufgrund des damals
recht martialischen Liedgutes, dessen Texte die Ehre, den Ruhm und Heldenmut
sowie Treue bis in den Tod besangen und verherrlichten, unterstellt werden. Die in jener Zeit ebenfalls sehr zahlreichen
Gründungen von Turn- und Kriegervereinen basieren übrigens auf dem gleichen
vaterländischen Zeitgeist und auch in diesen Vereinen war das Singen
patriotischen Liedgutes alltäglicher Bestandteil des Vereinslebens. Am 8. Juli 1908 wurde von 43 Einwohnern der
„Gesangverein Sängerlust 1908 Schornsheim“ gegründet. In einer
Sitzungsniederschrift des Männergesangvereins 1861 ist hierzu festgehalten:
„...dass der Chor (des MGV) anlässlich der Bruderfestlichkeit Heidesheim am
28. Juni 1908 das Lied „Der tote Soldat“ von Alban Förster unter der Leitung
des Dirigenten Johann Kopf vortrug, das nicht zufrieden stellend ausgefallen
sei, so dass der Verein eine kleine Spaltung erlitten habe und sechs
Mitglieder ausgetreten seien, die gleich nach dieser Festlichkeit die
Anregung und Gründung eines zweiten Gesangvereines, der jetzt hier besteht,
gegeben haben.“ Dass man seit dieser Spaltung bis zum heutigen Tage
vom „Bauernverein“ (MGV 1861) und dem „Schneiderverein“ (Sängerlust 1908)
spricht, verdeutlicht bereits, dass nicht nur ein verkorkster Auftritt
Ursache für die Trennung war. Abspaltungen gab es um die Wende zum 20. Jhdt.
in ganz Rheinhessen. Sie rühren daher, dass die früher auf Gedeih und Verderb
zusammengeschweißte dörfliche Schicksalsgemeinschaft von Handwerkern und
Bauern sowie deren Gesellen bzw. Gesinde, durch die wachsende
Industrialisierung aufgebrochen wurde. Die Eisenbahn bringt viele frühere
Tagelöhner und Gesellen zur Arbeit in die Städte. In Schornsheim entsteht
eine kleine „Heimschneiderindustrie“, die in ihrer Blütephase bis zu 130
Familien ernährt. Die Schneider, früher meist abhängig beschäftigte
Bauernknechte, Taglöhner und Handwerksgesellen, kamen zu wirtschaftlicher
Unabhängigkeit und bescheidenem Wohlstand. Sie konnten sich nun auch eine
eigene politische Meinung leisten. Das schuf Konfliktpotenzial, das sicher
auch zur Vereinsabspaltung nicht unwesentlich beitrug. Am 23. Juli 1933 wurden in einer durch den
damaligen Ortsgruppenleiter einberufenen gemeinsamen Sitzung und in
Anwesenheit zahlreicher Nazi-Größen aus der Umgebung die beiden Schornsheimer
Gesangvereine zum Männergesangverein 1861/1908 Sängerlust zwangsvereinigt. In den Chroniken wird kolportiert, dass das
Nazi-Regime verfügt habe, es dürfe in Gemeinden mit weniger als 3000
Einwohnern nur je einen Gesang- bzw. Sportverein geben. Dies diente
vermutlich der Gleichschaltung der Vereine unter nationalsozialistischer Vorherrschaft
und war wohl in erster Linie gegen die Vereine gerichtet, die auf Grund ihrer
Entstehungsgeschichte und Zusammensetzung ihre Wurzeln in der
sozialdemokratischen bzw. kommunistisch geprägten Arbeiterbewegung hatten. Auf jeden Fall existiert seitdem nur noch ein
Gesangverein in Schornsheim, der sich mit seinem derzeit 40 Aktive zählenden
Männerchor nach wie vor der Pflege des Gesanges verschrieben hat. Durch die
vorzügliche Arbeit verschiedener Chorleiter wurde inzwischen ein
Leistungsniveau erreicht, das auch erfolgreiche Wettstreitteilnahmen
ermöglicht. Im (MGV)Jubiläumsjahr 2001 startete unter dem
damaligen Chorleiter Haas eine kleine Gruppe die auch modernere und
fremdsprachige Chorliteratur einstudieren und darbieten will. Hauptsächlich
junge Männer gehörten ihr an und man sah schon die Zukunft gesichert. Leider
endete dies durch den Weggang des Dirigenten Haas. Kurze Zeit später entstand
unter Leitung des aktiven Sängers und Vizedirigenten, Steffen Paulick,
diesmal ein gemischter Chor, leider ohne die jungen Männer. Jedoch hat sich
diese Gruppe mittlerweile zum respektablen Frauenchor mit inzwischen rund
zwei Dutzend Sängerinnen entwickelt. Im Jahr 2005, beim Freundschaftssingen in
Udenheim, haben die Damen (verstärkt durch ein halbes Dutzend Sangesbrüder
aus dem Männerchor) ihren ersten öffentlichen Auftritt in gemischter
Formation erfolgreich hinter sich gebracht und konnten sich inzwischen auch
als Frauenchor mit gutem Anklang dem Publikum präsentieren. Darüber hinaus
leisten die Damen bei der Vorbereitung und Durchführung von Festen und
Veranstaltungen des Vereins inzwischen unentbehrliche Hilfe. Im gleichen Jahr, 2005, ist es nunmehr endlich
auch gelungen, einen Kinder- und Jugendchor aus der Taufe zu heben. Bei der
Auftakt- und Informationsveranstaltung, an der eine große Anzahl Kinder,
Jugendliche und Eltern teilnahmen, zeigte sich bereits ein erfreulich großes
Interesse. Sehr zu unserer Freude hält die Begeisterung der jugendlichen
Sängerinnen und Sänger unvermindert an. So besucht inzwischen eine große Zahl
Mädchen und Buben regelmäßig die von Chorleiter Udo Knab an jedem Freitag ab
17 Uhr 30 geleiteten Chorproben und lassen die Vereinsverantwortlichen
hoffen, dass der MGV Sängerlust 1861/1908 Schornsheim auch in weiterer
Zukunft Träger der Pflege des Gesanges sowie des musikalischen und
kulturellen Schaffens in unserer Heimatgemeinde sein
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